Chaos& Lebensliebe/Train hard

Das Wochenende ist wieder nur so vorbeigeflogen. Gestern hatte ich nachmittags ein richtig gutes Training und danach habe ich elf Stunden am Stück gekellnert, bis 4 Uhr morgens, weil die Gäste kein Ende finden konnten. Das bringt aber wiederum ganz gut was ein, da ich pro Stunde bezahlt werde. Die Servicekräfte, die einen festen Betrag bekommen, tun mir bei solchen Veranstaltungen manchmal echt leid. Freitag habe ich mich in meiner zukünftigen Stadt durch Ikea gequält, das war echt anstrengend im beginnenden Wochenende, aber ich konnte ein paar Sachen finden. Wobei ich es absolut uninteressant und einfallslos finde, sein Zimmer wie einen Ikea-Ausstellungsraum einzurichten, habe insofern nur die "Basics" dort zusammengestellt. Geplant hatte ich zum Glück schon vorher. Geschlafen habe ich bei alledem kaum, aber nachdem ich in der letzten Zeit immer extrem müde war, machte mir das jetzt irgendwie kaum etwas aus. Als ich heute Morgen nach dem Kellnern zu Hause war, habe ich noch aufgeräumt und saß bis um halb sieben wach im Bett, bis ich ein bisschen schlafen konnte, dann ging es weiter zum Training... Aber das straffe Programm hat auch den Vorteil, dass ich dabei kaum dazu gekommen bin, viel zu essen und mich gleichzeitig viel bewegt habe. Fühle mich dementsprechend auch echt sehr viel besser. Irgendwie komme ich diesbezüglich einfach nicht klar. Ausgewogen zu essen, fällt mir schwer, die Grenze zu "zu viel" ist winzig und einfacher ist es, sehr wenig zu essen und sich viel zu beschäftigen. Mir hilft der Gedanke, dass ich meine neue Lebensphase in der besten Version meiner selbst beginnen möchte. Oberflächlich gesehen habe ich das Gefühl, es ginge mir gut, aber sobald ich mich darauf konzentriere, was in mir los ist, habe ich das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Das ist auch der Grund für meine wahnsinnige Schlaflosigkeit, glaube ich. Andererseits bin ich an diesem Wochenende von einem Gefühlshoch ins nächste getaumelt und brenne vor Energie. Verrücktes, chaotisches Leben.

28.9.14 22:41, kommentieren

Geister der Vergangenheit

Eines Abends, vor zwei Wochen ungefähr, saß ich mit einem Freund beisammen. Wir haben Wein getrunken und über Liebe und Intimität gesprochen. Ich erwähnte eine bestimmte Bindung meiner Vergangenheit und er sagte zu mir: - Diese Erinnerung setzt dir noch ganz schön zu, oder? Wenn ich mir deine Körperhaltung ansehe, wie sie sich gerade verändert hat. - Während ich sprach, habe ich die Arme um mich gelegt und die Beine angezogen, mich kleingemacht, um der Erinnerung nicht mit der gesamten Fläche meines Körpers ausgeliefert zu sein und um die Arme vor meinem Herzen zu verschränken. Es hat geholfen.

24.1.14 15:46, kommentieren

Einsamkeit, Wut, Lebensschwindel

Mein Abitur ist jetzt fast drei Monate her und alles hat sich verändert. Es fühlt sich an, als ob man in einem Raum ohne Schwerkraft orientierungslos vor sich hin taumelt. Meine engsten Freundinnen sind alle quer über Europa verteilt und ein geregelter Tagesablauf ist nur noch ein blasses Abziehbild aus einer Zeit von vor ein paar Monaten. Gerade sitze ich hier und fühle unbändige Wut, dass ich in der Schulzeit so oft unter mir und anderen gelitten habe und letztlich hier stehe und immer noch nicht zu mir gefunden habe. Ich bin heute auch wieder so unzufrieden mit meinem Körper wie schon lange nicht mehr, und mein Charakter kann mich nicht mehr als meine körperliche Verfassung zufriedenstellen. Ich fühle mich neben der Spur, ich fühle mich eingesperrt, hilflos, zornig, belästigt, eingeengt, von meinem Umfeld terrorisiert, abhängig von beschissenen Sachen und von Koffein, müde, antriebslos oder fiebrig und hektisch. Nachher muss ich noch arbeiten, einerseits ist das eine gute Ablenkung, andererseits ist heute ein Tag, an dem ich einfach nur in meinem Bett liegen möchte und so tun, als ob ich für einen Moment nicht existierte, mich nicht rechtfertigen müssen, einfach nicht denken und den Kopf mal ausschalten. Mein Kopf fühlt sich an wie ein überhitzter Prozessor und ich warte nur darauf, dass es knallt und alles vorbei ist. Ich versuche, mich daran zu erinnern, dass das Studium und die neue Umgebung eine unfassbar große Chance sind, all dem zu entkommen, was mich hier so runterzieht und Erinnerungen hinter mir zu lassen. Es sind noch ungefähr drei Wochen und ich habe vor, einen Plan auszuarbeiten, um dort schon als eine zufriedenere und verbesserte Version meiner selbst zu beginnen und die Unzufriedenheit von hier nicht mit in mein neues Leben zu tragen. Davon werde ich euch hier noch Bericht erstatten. Was tut ihr, wenn ihr das Gefühl habt, in einem dunklen Strudel nach unten gezogen zu werden, wenn ihr einfach nur schreien könntet, weil euch jemand am Arm berührt und ihr das nicht ertragt? Der Wechsel zwischen den sonnigen, bezaubernden Momenten und Momenten, in denen alles um mich herum eine persönliche Hölle ist, ist so schnell, dass ich überfordert davon bin und hier mit Kopfschmerzen und Schwindel sitze und keine Lösung finde. Viele Grüße an euch und Grüße des kommenden Herbstes an uns alle. Ana-Carolina

1 Kommentar 24.9.14 15:37, kommentieren

Federleicht / Minimalismus

Minimalismus ist ein Thema, das mich schon seit einigen Monaten vermehrt fesselt. Wenn meine Umgebung unstrukturiert und vollgestopft ist, überträgt sich das auf mich. Dann kann ich nicht mehr denken und auch, mich strukturiert und ausgeglichen zu ernähren, schaffe ich dann nicht mehr. Ich verliere die Motivation zum Lernen, zum Sport, überhaupt dazu, etwas zu unternehmen. Der Überfluss unserer Gesellschaft macht mich sozusagen körperlich fertig, wenn ich nichts dagegen tue. Wir brauchen nicht viel, dass suggeriert nur unsere Umwelt aus Medien und Überangebot. Bald werde ich ausziehen und umsetzen, nur noch maßvoll eine Auswahl aus diesem riesigen Angebot zu treffen. Mein zukünftiges Zimmer richte ich momentan mit weiß, hellen Holzfarben, Spiegeln und viel Licht ein. Vielleicht hilft euch dieses Konzept auch, wenn ihr zu viel innere Unruhe verspürt und gereizt seid. Mich macht ein unruhiges Umfeld reizbar und unkonzentriert. Minimalismus lässt sich im Übrigen auch auf die Ernährung übertragen. Je schlichter die Zutaten, desto besser ist es für unseren Körper. Das Konzept, mit sehr wenig auszukommen, kann unglaublich befreiend sein, denn wenn wir uns nicht mehr über viel Besitz definieren, sehen wir klarer und können die wesentlichen Dinge fokussieren. Freier Raum = freie Gedanken

4 Kommentare 23.9.14 18:35, kommentieren

Ein unscheinbares Dragee voll boshafter Chemie

Anfang des Jahres war ich am Boden, mir ging es zeitweise unglaublich schlecht. Mitte Mai kam mir jedoch der Gedanke, nach allem Möglichen, das ich ausprobiert hatte, die Pille abzusetzen. Ich kann allen, die sich seelisch völlig zerstört, verwirrt und niedergeschlagen fühlen und körperlich nicht mehr klarkommen bezüglich Kontrolle im Essverhalten, Körperwahrnehmung und Antriebslosigkeit und Erschöpfung - probiert das!!! Dadurch habe ich ein neues Lebensgefühl bekommen und zu meinem ursprünglichen Charakter zurückgefunden. Es mag übertrieben klingen, aber diese Hormone, die ihr mit der Pille zu euch nehmt, greifen in chemische Prozesse im Gehirn ein, um die entsprechende Wirkung zu erzielen. Im Rückblick weiß ich, dass ich unter diesem Einfluss ein anderer Mensch geworden bin, und ich glaube auch, dass meine letzte Beziehung sich anders entwickelt hätte, vielleicht sogar nicht einmal geendet hätte, wenn ich die Einnahme mehr überdacht hätte. Ich bin extrem sensibel, es mag sein, dass Andere diese Reaktion viel zu weit hergeholt finden, aber das ist meine Erfahrung. Und die Entwicklung seit dem Absetzen bestätigt mich darin. Bitte unterschätzt dieses winzige Ding nicht nicht, so unkompliziert und praktisch einem die Einnahme auch erscheinen mag. Mein Leben hat es 2x um 180° verändert, das erste Mal in eine physische und psychische Zerstörung auf Raten, das zweite Mal zurück zu Lebensfreude, neuen Prioritäten und zu dem Ich, das ich mal war. Versteht mich nicht falsch - es gibt viele, die gut mit der Einnahme zurechtkommen und an sich ist dieses Mittel sehr nützlich. Aber wenn man sich überlegt, dass ein winziges weißes Dragee, indem es in die Chemie des Gehirns eingreift, körperliche Prozesse unterbindet - das ist schon etwas gruselig, oder?

3 Kommentare 23.9.14 14:11, kommentieren