Einsamkeit, Wut, Lebensschwindel

Mein Abitur ist jetzt fast drei Monate her und alles hat sich verändert. Es fühlt sich an, als ob man in einem Raum ohne Schwerkraft orientierungslos vor sich hin taumelt. Meine engsten Freundinnen sind alle quer über Europa verteilt und ein geregelter Tagesablauf ist nur noch ein blasses Abziehbild aus einer Zeit von vor ein paar Monaten. Gerade sitze ich hier und fühle unbändige Wut, dass ich in der Schulzeit so oft unter mir und anderen gelitten habe und letztlich hier stehe und immer noch nicht zu mir gefunden habe. Ich bin heute auch wieder so unzufrieden mit meinem Körper wie schon lange nicht mehr, und mein Charakter kann mich nicht mehr als meine körperliche Verfassung zufriedenstellen. Ich fühle mich neben der Spur, ich fühle mich eingesperrt, hilflos, zornig, belästigt, eingeengt, von meinem Umfeld terrorisiert, abhängig von beschissenen Sachen und von Koffein, müde, antriebslos oder fiebrig und hektisch. Nachher muss ich noch arbeiten, einerseits ist das eine gute Ablenkung, andererseits ist heute ein Tag, an dem ich einfach nur in meinem Bett liegen möchte und so tun, als ob ich für einen Moment nicht existierte, mich nicht rechtfertigen müssen, einfach nicht denken und den Kopf mal ausschalten. Mein Kopf fühlt sich an wie ein überhitzter Prozessor und ich warte nur darauf, dass es knallt und alles vorbei ist. Ich versuche, mich daran zu erinnern, dass das Studium und die neue Umgebung eine unfassbar große Chance sind, all dem zu entkommen, was mich hier so runterzieht und Erinnerungen hinter mir zu lassen. Es sind noch ungefähr drei Wochen und ich habe vor, einen Plan auszuarbeiten, um dort schon als eine zufriedenere und verbesserte Version meiner selbst zu beginnen und die Unzufriedenheit von hier nicht mit in mein neues Leben zu tragen. Davon werde ich euch hier noch Bericht erstatten. Was tut ihr, wenn ihr das Gefühl habt, in einem dunklen Strudel nach unten gezogen zu werden, wenn ihr einfach nur schreien könntet, weil euch jemand am Arm berührt und ihr das nicht ertragt? Der Wechsel zwischen den sonnigen, bezaubernden Momenten und Momenten, in denen alles um mich herum eine persönliche Hölle ist, ist so schnell, dass ich überfordert davon bin und hier mit Kopfschmerzen und Schwindel sitze und keine Lösung finde. Viele Grüße an euch und Grüße des kommenden Herbstes an uns alle. Ana-Carolina

24.9.14 15:37

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Copperoid (24.9.14 18:14)
"Was tut ihr, wenn ihr das Gefühl habt, in einem dunklen Strudel nach unten gezogen zu werden,"

Zulassen.

Es gibt Phasen im Leben, da kotzt mich alles an. Da hab' ich die tägliche Tretmühle total über. Da bin ich am Jammern und bemitleide mich selbst. In der Zeit möchte ich auch niemanden um mich haben.2-3 Tage, dann reichts mir. Diese Phasen gehören einfach dazu. Es kann nicht immer alles und zu jederzeit Himmelhochjauchzend sein. Der Weg nach oben kommt immer wieder von ganz alleine. Jemand zum ausquatschen, einfach Balst abwerfen reicht dann schon. Oder wie hier .... schreiben.





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